Montag, 10. Juni 2013

Schlafende Nasen

Heute greife ich wieder auf einen etwas älteren aber doch auch zeitlosen Favoriten zurück. Den Rauchmelder. Für drei Euro das Stück liegen die Dinger unscheinbar an vielen Kassen neben der Quengelware und warten auf euch, um euch nach drei Minuten Montage vielleicht bald das Leben zu retten.
So zum Beispiel:

Es ist Frühdienst. Ein sehr sonniger und freundlicher Samstag. So einer, an dem wir auch mit Knöllchen niemandem die gute Laune verderben können.
Gegen 10 Uhr - genauer weiß ich es leider nicht mehr - werden wir in ein Wohngebiet gerufen, wo im 2. Stock eines sechs-Parteien-Hauses ein Rauchmelder nervt. Ich merke die Grundanspannung, die ich bitte auch nicht verlieren möchte, wenn solche Routineeinsätze anfallen. Irgendwann ist zwischen den Fehlalarmen mal ein Ernstfall, der möge mich bitte nicht überraschen. Ich bespreche auf der Anfahrt kurz mit der Auszubildenden und dem Kollegen, worauf es gleich ankommen wird: Überblick verschaffen, Ruhe bewahren, Nachbarwohnungen räumen. Kann losgehen.

Vor Ort erwartet uns die Mitteilerin mit ihrem Kleinkind auf dem Arm im dritten Stock. Unter ihr piept es vernehmlich seit etwa einer halben Stunde. Langsam nervt's. Na: Danke dass sie noch anruft bevor der Melder geschmolzen ist, denke ich und sage besser nix. Der Kollege hat inzwischen begonnen an der Tür im zweiten Stock Sturm zu klingeln. Niemand öffnet. Die sind nicht da, mutmaßt die Anruferin. Sonst hätten sie ja geöffnet... Wenn sie noch leben, murmle ich. Aber sie wird Recht haben. Da sind sicher bloß die Batterien leer. Deshalb das Gepiepse...
Plötzlich wird der Kollege hektisch. Als er kräftiger gegen die Tür klopft dringt dichter, schwarzer Rauch in den Hausflur. Ach du Scheiße. Nichts wie raus hier. Die Auszubildende schicke ich runter in den ersten Stock: Verantwortung übernehmen und rufen, klingeln und klopfen bis jemand öffnet. Ich selbst stürze hoch in den Dritten um das gleiche Spiel zu starten. Die Tür der verqualmten Wohnung zu öffnen erscheint uns bei dem Ruß zu riskant. Wir können nicht einschätzen ob der Rauch dann durchzündet. Das möchte ich auch nicht ausprobieren...
Zum Glück trifft jetzt auch die Feuerwehr ein. Meine Anspannung legt sich etwas.
Als der erste Feuerwehrmann gegen die Tür bollert und auf die Kollegen wartet, wird ihm plötzlich von innen geöffnet. Der Sohn der Familie, sein Gesicht pechschwarz, steht völlig verpennt in der Diele. Er hatte nachts, Stunden zuvor, den Sandwichtoaster auf eine heiße Herdplatte gestellt. Dann hatte er sich schlafen gelegt. Vom Toaster war nur noch das Metall des Netzsteckers übrig. Während seine schlafende Nase also nichts roch entwickelte sich ein Schwelbrand, der sämtliche (!!!) Räume schon von der Decke bis zum Türsturz verraucht und tierisch verrrußt hatte. Die Rauchmelder waren leider nicht an der Zimmerdecke sondern in den Türen montiert und piepsten erst, als bis dorthin schon alles rabenschwarz war. Der Sohn schlief (noch) unterhalb des stark verrauchten Bereichs auf der Couch. Eine halbe Stunde vielleicht noch, und er hätte seinen letzten Atemzug getan. Dreißig Minuten und seine ahnungslos schlafende Nase wäre nie wieder wach geworden, hätte nicht ein drei Euro teures Stück Plastik die Nachbarin so lange genervt, bis sie die Polizei rief.
So ist es leider. Schlafende Nasen riechen nichts. Man erstickt, ohne dass es je eine offene Flamme gegeben hätte. Auch diesen Fall habe ich schon erlebt, möchte ihn aber hier nicht ausbreiten.

Also: DREI Euro, die eure schlafende Nase wecken, bevor es zu spät ist. Für immer...

Kauft Rauchmelder!

Kommentare:

  1. Hmm, wenn ich das richtig verstanden habe, hat ihn doch genau der Rauchmelder auch nicht geweckt. Zudem kann ich den Tipp mit den 3 Euro-Meldern auch nicht unterschreiben. Das einzige was die tun ist stetig 9V-Blockbatterien leeren und beim dritten mal Piepen, weil die Batterie leer ist, wird [Bewohner] das Ding wohl nicht mehr anbauen. Z.B. weil gerade keine passende Batterie vorhanden. Nicht zu vergessen ist es mit einem Rauchmelder idR ja nicht getan.

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  2. Du darfst auch gern hochwertigere kaufen. Aber ich wollte ganz deutlich machen: Es geht auch günstig.
    Und doch: Der Rauchmelder hat auf den Brand aufmerksam gemacht. Ohne den Melder hätte der Kerl nicht überlebt...

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